Bereits der 1394 in Kyoto geborene Zen-Meister Ikkyu beschrieb seine eigene Situation mit folgendem Vers:“Wohin soll er nur wandern, der ungebundene Fremde,
unheilvoller Landstreicher, der seine Bambusflöte auf dem Weg und an den Straßenkreuzen spielt?”
Wie dem auch gewesen sein mag, kann die Verbindung von Zen und Shakuhachi erst mit Beginn des 17. Jahrhunderts sicher
nachgewiesen werden, als die “Mönche der Leere und des Nichts, die Komusho-Priester auftauchten.
Unter den vielen Arten der Atemführung (-buki) beim Shakuhachi blasen ist wohl die als Komibuki
bekannte besonders der Zen-Tradition verpflichtet. Es handelt sich hier um eine pulsierende Atmung, bei der der ansonsten beibehaltene Atemstrom periodisch im Tanden (Hara, Unterleib) komprimiert wird.
Der 1893
geborene Zen-Meister Katsuki Sekida, der seit 1915 Zen praktiziert und in Japan, Honolulu, Maui und Londen Zen unterrichtet, beschreibt seine Erfahrungen mit der Zen-Meditation in dem Buch “Zen-Training”
(Herder/Spektrum). Ungewöhnlich ist seine dort mit westlichem Forschergeist erfasste und dargestellte “Physiologie der Aufmerksamkeit”, bei der er auf das neurologisch enge Zusammenwirken von Tandem und Gehirntätikeit
über die Atmungsmuskulatur hinweist. Er entdeckte dabei, dass bei angehaltenem Atem auch die Gedanken besser angehalten werden können.
Der eigentliche Bezug zur Komibuki-Form wird von ihm im Kapitel “Das Üben mit dem
MU” hergestellt. Dieses Basis-Koan soll ja wie jedes andere auch nicht gedanklich reflektiert werden, sondern verinnerlicht werden: “Mu..Mu..Mu..Mu..”. Jeder neue Ansatz der Rezitation von Mu erzeugt auf
natürliche Weise eine leichte Anspannung im Tanden (Unterleib), also eine pulsierende Wellenbewegung. Sekida nennt diese Technik “Die Bambus-Methode des Ausatmens”. Er wählte diesen Namen, weil die kurzen
Atempausen während jeweils eines Atemvorganges als Verdichtungen den Knoten des Bambushalmes gleichen. Er selbst stellt keinen direkten Bezug zur Shakuhachi her, macht aber darauf aufmerksam, das das Ausatmen mit leicht
geöffnetem Mund durch einen engen Lippenspalt erfolgen soll, weil dadurch die Atemmuskulatur in stärkere Anspannung versetzt werden kann, als wenn man lediglich durch die Nase ausatmet.
Die selben pulsierenden
Atemverdichtungen finden auch beim Atemzählen statt, da das innerliche Vorsagen der Zahlen mental eine leichte Kontraktion im Tanden hervorruft. Dieser Prozess wird durch das Blasen der Shakuhachi mit Komibuki
intensiviert und verstärkt durch die akkustische Rückkopplung noch den Effekt. Nach Sekida ist das pulsierende Atmen der ökonomischste Weg zur Erfahrung des positiven Samadhi, wie er den Zustand relativer
Gedankenabwesenheit nennt. Aus seiner Erfahrung erreichen Schüler auf diese Weise das Kensho - also den Einblick in die eigene Wesensnatur - deutlich früher.