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Maharshi
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Der Weise vom Berge Arunachala pflegte “Suchende” mit der Suchfrage “Wer bin ich?” auf den Weg nach innen zu führen. Im Folgenden werden wenige, aber zentrale Frage-Antwortbeispiele gegeben. Sie stammen aus dem Buch “Ramana Maharshi - Gespräche des Weisen vom Berge Arunachala” - Ansata-Verlag.

 Ein junger Mann fragte: Die Buddhisten behaupten, daß das “ich” unwirklich sei. Andere behaupten, man müsse über den “ich”-Gedanken hinausgehen und den Zustand des “ICH” erreichen. Was ist das Richtige?

Maharchi: Man nimmt an, daß es zwei verschiedene Ich gibt: das niedere, vergängliche, in dem wir alle leben, und das höhere, wahre, das verwirklicht werden soll. Im Schlaf ist man sich seiner selbst nicht bewußt. Erst nach dem Erwachen weiß man, daß man geschlafen hat, nicht aber im Schlaf, wo es eine Differenzierung nicht gibt. Erst wenn man in das Körperbewußtsein eingetreten ist, gibt es solche unterschiedlichen Zustände wie Wachen, Träumen und Schlafen, die sich auf das Körper-”ich” beziehen. Doch gerade dieses Bewußtsein “Ich bin der Körper”, in dem wir alle leben, hat einen Anfang und somit ein Ende. Was aber liegt ihm zugrunde?  Woher kommt dieses “ich”? Wer ist dieses “ich”? Wer bin ich? Suchen Sie und finden Sie den Ursprung des “ich” - dann erleben Sie den Zustand des vollkommenen Seins.

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“Der Tatbestand ist der, daß der Mensch sich als begrenzt ansieht; dadurch entsteht die Schwierigkeit. Diese Vorstellung ist falsch. Er kann es selbst ausprobieren: Im Schlaf war keine Welt da, kein begrenztes “ich” und kein Leid. Irgend etwas wacht aus diesem glücklichen Zustand auf und sagt “ich”. Diesem “ich” erscheint die Welt. Selbst nur ein Pünktchen in der Welt, wünscht es sich mehr zu sein und gerät dabei in Schwierigkeiten. Wie glücklich war der Mensch vor dem Aufsteigen des “ich”.”

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“Der Geist ist nur eine Projektion aus dem Selbst, die im Wachzustand erscheint. Im Tiefschlaf erzählt sie nicht, wessen Sohn Sie sind  und dergleichen. Sowie sie erwachen, behaupten Sie, der und der zu sein, erkennen die Welt usw. . Die Welt ist nur, was wahrgenommen wird. Zu wem gehört das Auge, das sie sieht? Es gehört dem “ich” an, welches periodisch aufsteigt und absinkt (Wechsel zwischen Tiefschlaf und “Wachbewußtsein”-  Anmerkung des Zitierenden). Sie aber sind immer da. So ist also Das, was jenseits des “ich” ist, das Reine Bewußtsein, das Selbst.”

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“Das, was einen Anfang hat, muß auch enden. Nur die Verwirklichung des ewig gegenwärtigen Reinen Bewußtseins ist von Dauer. Es ist tatsächlich immer bei uns. Jeder weiß: Ich bin! Niemand kann sein eigenes Dasein verleugnen! Der Mensch im Schlaf ist seiner selbst nicht gewahr, während er es im Wachen ist; er ist aber immer die gleiche Person; es hat sich nichts an ihm geändert. Im tiefen Schlaf war er nur seines Körpers nicht gewahr, er war also ohne Körper-Bewußtsein. Der Unterschied liegt also im Auftauchen eines Körper-Bewußtseins, nicht in irgend einer Veränderung des Wahren, Reinen Bewußtseins. Körper und Körper-Bewußtsein entstehen gemeinsam und versinken zusammen. All dies läuft darauf hinaus, daß es im Tiefschlaf keine Beschränkungen gibt, während sie im Wachzustand da sind. Diese Beschränkungen bewirken Gebundenheit; das Gefühl, “der Körper bin ich” ist der Irrtum. Diese falsche “ich”-Gefühl muß verschwinden; was ist, muß immer sein. Was neu erscheint, geht auch wieder verloren. Vergleichen Sie Wachzustand und Tiefschlaf: im einen erscheint der Körper, im anderen nicht. Das Reine Bewußtsein war vor dem Körper da und wird ihn überdauern. Tatsächlich gibt es niemanden, der nicht sagt: “Ich bin”. Die Ursache allen Unheils ist die irrige Vorstellung: “Ich bin der Körper”; sie muß fallengelassen werden. Das ist Verwirklichung. Verwirklichung besteht weder im Erwerb einer neuen Fähigkeit, noch ist sie eine solche. Sie ist nur die Beseitigung aller Irrtümer.”

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“Jedermann kennt es; man ist sich nur nicht darüber klar. Sie sind immer. Dieses rein Seiende ist das Selbst. “Ich bin” ist Gottes Name. Von allen Definitionen Gottes ist keine so genau wie der biblische Ausspruch im Exodus, Kap.3.14: “Ich bin, der Ich bin”. Das Absolute Sein ist “Das, was ist”. Es ist das Selbst.

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Maharshi: Sind Sie in der Welt, oder ist die Welt in Ihnen?

Frager: Ich verstehe nicht. Die Welt ist sicherlich um mich herum.

Maharshi: Sie sprechen von der Welt und dem, was in ihr geschieht. Das sind nur ihre Vorstellungen. Die Vorstellungen sind im Geist, und der ist in Ihnen. Daher ist auch die Welt in Ihnen.

Frager: Da komme ich nicht mit. Selbst wenn ich nicht an die Welt denke, ist sie doch da.

Maharshi: Wollen Sie damit sagen, daß die Welt vom Geist getrennt sei und in dessen Abwesenheit existieren könne?

Frager: Ja.

Maharshi: Existiert die Welt auch in Ihrem Tiefschlaf?

Frager: Ja.

Maharshi: Sehen Sie sie dann?

Frager: Nein, ich nicht. Aber andere, die wach sind, sehen sie.

Maharshi: Sind Sie dieser anderen Personen in Ihrem Sschlaf gewahr, oder werden Sie erst jetzt (im Wachzustand) der anderen gewahr?

Frager: In meinem Wachzustand.

Maharshi: So sprechen Sie also von dem Wissen in Ihrem Wachzustand und nicht von Ihrer Erfahrung im Schlaf. Sie erkennen die Existenz der Welt in Ihren Wach- und Traumzuständen an, die vom Geist hervorgebracht werden. Im Schlaf hat sich der Geist zurückgezogen, und die Welt ist nicht da. Sie wird wieder offenbar, wenn Sie aufwachen. Das “ich” identifiziert sich mit dem Körper und sieht die Welt. So ist die Welt eine geistige Schöpfung.

Frager: Wie kann das sein?

Maharshi: Schaffen Sie sich nicht eine Welt im Traum? Der Wachzustand ist auch nur ein ausgedehnter Traum. Es muß einen geben, der die verschiedenen Erfahrungen sieht. Wer ist das? Ist es der Körper?

Frager: Das kann nicht sein.

Maharshi: Der Geist?

Frager: Es muß wohl so sein.

Maharshi: Aber Sie existieren auch in Abwesenheit des Geistes.

Frager: Wie das?

Maharshi: Im tiefen Schlaf.

Frager: Ich weiß nicht, ob ich dann bin.

Maharshi: Wenn Sie dann nicht existieren würden, wie wollen Sie sich an das erinnern, was Sie gestern erlebt haben? Gab es eine Unterbrechung in der Kontinuität des Ich während des Schlafes?

Frager: Vielleicht.

Maharshi: Wenn es das gäbe, dann könnte ein “Müller” als “Maier” aufwachen. Wie wird die Identität des Individuums dann aufrecht erhalten?

Frager: Ich weiß es nicht.

Maharshi: Wenn es Ihnen nicht klar ist, betrachten Sie es einmal von der anderen Seite. Sie sagen “ich schlief gut” und “ich fühle mich erfrischt nach tiefem Schlaf”. Also haben Sie den Schlaf erfahren. Dasjenige, was ihn erfahren hat, identifiziert sich jetzt mit dem “ich” des Sprechenden. Dieses Ich muß also auch im Schlaf dagewesen sein.

Frager: Ja.

Maharshi: Das Ich war also im Schlaf da. Wenn die Welt auch da war, sagte sie dann, daß sie existierte?

Frager: Nein. Aber sie sagt mir jetzt, daß sie existiert. Selbst wenn ich ihre Existenz bestreiten wollte, könnte ich meinen Fuß an einem Stein stoßen und ihn verletzen. Die Verletzung beweist den Stein und somit die Existenz der Welt.

Maharshi: Genau. Der Stein verletzt den Fuß. Sagt der Fuß, daß ein Stein da ist?

Frager: Nein - ich.

Maharshi: Wer ist dieses “ich”? Wie wir vorhin gesehen haben, kann es weder der Körper noch der Geist sein. Das Ich ist es, das die Zustände von Wachen, Träumen und Tiefschlaf erfährt. Die drei Zustände sind Veränderungen, die das Individuum nicht berühren. Die Erfahrung gleicht Bildern, die über eine Leinwand in einem Kino dahinziehen: Erscheinen und Verschwinden der Bilder berührt die Leinwand nicht. Ebenso wechseln die drei Zustände ab ohne das Selbst zu berühren.

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