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Shakuhachi

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Obige Abbildung ist eine Tai Hei Shakuhachi , konstruiert von Monty H.Levenson, CA USA.

Die Shakuhachi - japanische Bambusflöte - ist eine Kerbflöte mit nur 5 Löchern. Ihr Name ist so schlicht wie ihr Erscheinungsbild: er gibt ihre Rohrlänge wieder - ein Shaku und acht Sun oder wörtlich “ein Shaku acht” also ca. 55 cm.. Der Ton entsteht, wenn der Luftstrahl die Blaskante trifft.

 

 

Bambus - Atem

 

 

Es gibt einen alten geistigen Weg zur Selbsterkenntnis, der den Bambus mit dem Atem zu einer Meditationsform verbindet: Suichikuzen (Bambus - Atem - Meditation). Dieser Weg wird auch als Chiko-Do (Bambus-Weg) bezeichnet und geht zurück auf eine alte japanische Zen-Sekte des Gründers Zenshi Fuke. Die als Komuso bekannten Mönche zogen mit Strohhut (Tengai) und Shakuhachi bettelnd durch das mittelalterliche Japan. Sie rekrutierten sich aus herrenlosen Sammurai (Ronin) und benutzten die Shakuhachi als Werkzeug zur spirituellen Erleuchtung und als Schlagwaffe bei spitituellem  Fehlgeleitetsein ihres Gegenübers.

Der Atem spiegelt unsere geistige Verfassung wieder. Wird er in ein Bambusrohr gelengt, werden diese Qualitäten auch für das Ohr wahrnehmbar.

 

KOKORO (Herz-Geist)

BEI SHU Shakuhachi Workshop

 Tom W. Deaver

 

   

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Weitere Informationen im Web?

Dr. Jim Franklin ist Shakuhachi-Meister (Shihan) und ein Vertreter der Watazumi-Yokoyama-Tradition. Neben seiner Tätigkeit als Musiker und Komponist leitet er das Musikinstitut an der University of Western Sydney, Australien. Er ist derzeit bis Juli 2001 im süddeuschen Raum unterwegs und bietet neben Konzerten und Workshops auch Privatunterricht an.

Weitere Hinweise oben unter Veranstaltungshinweise.

 

Der Bambusweg - Chikudo

von Mary Lu Brandwein

neu: Honkyoku spielen - Honkyoku beten

 

 Orginalartikel (amerikanisch)

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In Asien gibt es viele Wissenszweige, die als "Weg" studiert werden können: Kado (Blumen-Weg), Chado (Tee-Weg), Shodo (Kaligrafie-Weg), Kyudo (Weg des Bogenschießens), Bushido (Weg des Kriegers), Chikudo (Weg des Bambus). Dies klingt alles sehr esoterisch, aber in Wirklichkeit ist ein "Weg" nichts Besonderes und ist nicht beschränkt auf asiatische Wissenszweige.

Viele Lernwege können dieser Liste hinzugefügt werden, und in Wirklichkeit kann alles als "Weg" studiert werden: eine neue Fremdsprache, ein neues Baby, ein Musikinstrument (gerade ohne vorherige Erfahrung), Nähen, Feinschmecker-Kochen, Tanzen, Rechtspflege, eine neue Karriere, Schule; sie alle können als "Weg" studiert werden. Alles kann ein "Weg" sein. Es ist letztlich unsere Haltung, die wir unserem Studium gegenüber einnehmen, die den Unterschied ausmacht. In diesem Artikel möchte ich mein Studium des Klanges als "Weg", speziell das Studium der japanischen Bambusflöte (Shakuhachi) in meinen letzten 14 Jahren, beschreiben.

Lassen Sie uns zunächst erkennen, was ein "Weg" ist. Ein "Weg" ist ein erzieherisches, auf lange Zeit angelegtes Studium von allem, was unsere seit der Kindheit entwickelten Selbstkonzepte, unsere Ideen von uns selbst -  wer wir sind, in Frage stellt. Wenn wir uns einer Sache zuwenden, die uns interessiert, von der wir aber bisher nichts wissen, ja von der wir sogar glauben, überhaupt kein Talent dafür zu besitzen, dann haben wir eine wirkliche Chance, an dieser Sache zu wachsen.

Wenn wir unser neues Studium aufnehmen, so gibt es grundsätzlich zwei Haltungen, das Thema zu beginnen:

 

 1. eine zielorientierte Haltung oder

 2. eine "spiegelhafte" Haltung.

 

Die zielorientierte Haltung

 

Hier geht es zunächst darum,  ein Ziel zu fixieren, um dann um seine Erlangung zu ringen. Da unsere Aufmerksamkeit ständig nach vorne auf das Ziel gerichtet ist, und wir versuchen, so schnell wie möglich dort anzukommen, zerstreuen wir ständig unsere Energie in Richtung auf dieses Verlangen: das Ziel bald zu erreichen. Wir sind erfüllt mit unserem Kampf nach sicheren Resultaten. Unsere Energie ist nicht vollständig präsent in dem, was wir gerade (im Augenblick) tun, weil immer ein Auge nach dem Ziel in der Zukunft schielt. Diese Haltung ist eine "ziehe-es-durch" Haltung. Wie ein Pflug, der das Erdreich spaltet, steuern wir auf unser Ziel zu.

Die "spiegelhafte" Haltung

 

Sie meint, daß wir unser gewähltes Wissensgebiet mit Aufmerksamkeit studieren, indem wir das Abenteuer neuen Lernens als Spiegel unseres Selbst betrachten: wie wir beim Lernprozeß auf Schwierigkeiten stoßen, das Ziel zu erreichen, auf Entmutigung, auf Erschöpfung, auf Enttäuschung, auf Zweifel, Angst, Frustation, Besorgnis und auf Widerstand beim Sehen und Hören stoßen. Wir werden sicher auch mit Kritik, Erfolg und Mißerfolg konfrontiert. Wir werden wachgerüttelt, die Notwendigkeit von Disziplin und Beharrlichkeit zu erkennen und für die regelmäßige Pflege unseres "Sounds" Sorge zu tragen. Die neue Aufgabe bietet uns die Gelegenheit, uns selbst in einer völlig veränderten, frischen und neuen Situation wahrzunehmen und die Aufmerksamkeit und Selbsterkenntnis, die so erreicht werden, können uns mehr Klarheit über uns selbst geben, da das Experiment sich völlig von unserem gewöhnlichen  Leben unterscheidet. Dann kann diese neue Selbsterkenntnis - wenn wir es denn wollen - auf andere Gebiete unseres  Lebens übertragen werden, die uns so vertraut sind, daß sie bereits "blinde Flecken" geworden sind.

In dem wir dem "Weg" folgen, werden die Vorstellungen von unserer eigenen Identität herausgefordert: z.B. "ich bin kein Musiker", oder "ich kann keine Musik spielen". Unsere Vorstellungen von der Art und Weise, wie wir lernen, werden herausgefordert: "ich bin ein schneller Lerner" oder "diesmal sollte ich es wirklich beherrschen"...

Unsere Vorstellungen von dem, was wir bereits zu wissen glauben, werden  in Frage gestellt: "ich weiß genau, wie man atmet", "ich kenne mich so gut".

Viele unserer wertgeschätzten Vorstellungen und Meinungen werden in dieser neuen Situation herausgefordert. Sie werden aus unserem "Kernglauben" geboren, der grundlegende Entscheidungen über das, was wir vom Leben halten, was wir von uns halten, widerspiegelt - Entscheidungen, die wir als Kinder getroffen haben.... viele unserer Probleme mit dem Leben und mit uns selber resultieren aus diesen damaligen Entscheidungen. Indem diese tief festgehaltenen Glaubenssätze in Frage gestellt werden, wird unglaubliche Angst und unglaublicher Terror freigesetzt.

Wir begegnen diesem allem mit unserer "Spiegelhaltung". Unsere innere Wachsamkeit entwickelt sich zunehmend. Alle unsere Vorstellungen produzieren Gefühle, und das In-Frage-Stellen dieser Glaubenssätze produziert ebenso Gefühle, und diese manifestieren sich in Muskelverspannungen, die wiederum den "Sound" beeinflussen; sie werden unsere Darbietung beeinflussen! Diese im Inneren verborgenen Glaubenssätze, unser Kernglauben, sind Ideen, an die wir wirklich als volle Wahrheit über uns glauben. Sie sind unsere beliebtesten Gedankengifte, die wir als tiefste Wahrheit über uns selbst betrachten. Diese Vorstellungen sind einfach zu ergründen, wenn wir eine Haltung entwickeln, den Verstand und die betroffenen Muskeln zu bobachten , die von diesen Vorstellungen beeinflußt werden. Sie sind unsere dauernden Begleiter, aber die meiste Zeit kommen und gehen sie wie Blitze jenseits unseres Bewußtseins. Je mehr wir unser Selbst verstehen, desto tiefer wird unser "Sound" mit anderen in Kontakt treten können, wenn wir spielen. Jemand, der weiß, wie man zuhört, wird, wenn er eine Note von mir hört, genau wissen, wie tief meine Selbstwahrnehmung und mein Erbarmen fortgeschritten sind. Diese eine Note wird mitteilen, von wo aus mein Spiel erklingt: vom Kopf, vom Herzen, vom Solar Plexus, aus dem Gedärm oder aus dem ganzen Körper. Kommt der Klang nur von der Flöte als Instrument, mit dem musiziert wird, oder klingen mein Körper, Geist, Herz ebenso durch die Flöte - durch die Flöte als meinem Körper? Spiele ich von der Wurzel meiner Existenz, die auch die Wurzel deiner Existenz ist? Wie kann man dies erreichen?

Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit:

Zuallererst erkennen, daß ich nichts weiß; ich bin nicht bewußt. Ich weiß nicht wirklich, wie man hört, wie man atmet; ich kenne mich nicht wirklich selbst.... bestrebt sein, mit dem "Sehen" und  "Fühlen" zu beginnen.

Die japanische Bambusflöte bietet zahllose Möglichkeiten, uns selbst zu begegnen, während wir versuchen zu lernen: die ersten Schwierigkeiten, überhaupt einen Klang zu erzeugen; dann zu versuchen, die charakteristischen Klangmerkmale zu entwickeln; die Unvollkommenheit jeglichen Klanges zu genießen; Geschicklichkeit und sichere Intonation zu entwickeln (was dem Laufen auf Treibsand gleichkommt); die Tonleitern zu lernen; die Fähigkeit zu erwerben, den Ton nach unten und oben richtig zu binden und manche Noten mit Halb- und Vierteltonlochabdeckung zu erzeugen. Dann gibt es da noch verschiedene, spezielle Klangformen: "muraki" (Luftklang), "soraiki" (leerer Klang), "kubi futi" (Kopfwackeln), "koro-koro" (Flattersound), "kara kara" (Triller); Alternativgriffe für Spezialeffekte, die Fähigkeit, mit Geschwindigkeit zu spielen, geschweige denn, Musik vom Blatt lesen zu können. Klang entwickelt sich in der Zeit und erfordert lebenslange Bemühungen, wobei er sich ständig ändert: Ausdruck des gegenwärtigen seiner Selbst. Der Klang eines jeden Menschen ist unterschiedlich und einzigartig.

 Mit der Shakuhachi kann jede Art von Musik gespielt werden. Aber es ist vielleicht leichter im obigen Sinne zu erkennen, wahrzunehmen und zu üben, wenn man "Honkyoku" (meditave Musik) praktiziert." Honkyoku" bedeutet, die ursprünglichen Melodien und Musikstücke für dieses Instrument; es kann auch bedeuten: Musik vom Ursprung des Seins. Diese Musik ist keine Musik zum Aufführen; es ist eher eine "heilige" (zur "Einheit" führende) Musik: dazu bestimmt, in einer Meditationshalle für Menschen bei der Meditation gespielt zu werden (Zazen), oder gar selbst als Zazen-Meditation zu dienen. Ihr Rhythmus ist oft sehr frei, lyrische Melodieführungen sind nicht gegenwärtig, es gibt keine harmonischen Strukturen. Der einsame Bambusklang betont Klangfarbe, vollkommenen Klang, Volumen und Bewegung innerhalb jeder Note und von einer Note zur nächsten. Honkyoku soll die Ohren verführen, den Körper und den Geist auf die Gegenwart des Klanges auszurichten, aber auch auf alles, was sonst ist. Es ist unmöglich zu vermuten, wie eine musikalische Phrase enden wird, oder was als nächstes geschehen wird. Der ganze Körper kann zum erwachten Ohr werden, zum empfangenden Organ, wenn wir allmählich wählen, unseren Körper dem Hören zu öffnen. Dann gibt es kein "Innen" und kein "Außen" mehr. Es gibt kein Ende des Klanges mehr, allgegenwärtiger Klang.... nur völlig lebendiges Hören, keine Vorstellung mehr von "ich mag dies, ich mag jenes nicht". Wo Gedanken sind gibt es kein wirkliches Hören.

Zu lernen, wie man Musik hört oder spielt ist ein Prozeß, zuhören zu lernen und den Klang und das Erspüren von Klang genießen zu können, sogar unseren "unfertigen" Klang. Ohne dies kann der Klang sich nicht verändern und verbessern.

So lassen Sie uns nun folgendes als Hörübung versuchen:

 Die Augen lassen sich leicht von Dingen anziehen; sie sind gierig. Also schließen Sie die Augen oder geben Sie den Focus auf.

     Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Hautoberfläche, atmen Sie durch jede Pore der Körperoberfläche, fühlen Sie sie immer mehr. Lassen Sie den Klang durch jede Pore herein, fühlen Sie die Schwingungen des Klanges auf der ganzen Oberfläche und dann im Körper. Dieses Mit-dem-Körper-hören verursacht einen Moment der Selbstvergessenheit - keine Namenserinnerung, kein Kontostandswissen mehr - nur dieses Hören.

     Nur hören; fühlen Sie, wie der Klang ins Ohr eintritt; fühlen Sie die subtilen Veränderungen im Klang auf der Hautoberfläche und ihre Auswirkungen auf innere Organe.

     Lassen Sie den Klang eine Behausung sein, Sie einhüllend und ausfüllend.

     Wenn ein Gedanke kommt, nehmen Sie ihn wahr, betrachten Sie seinen Inhalt, fühlen Sie seine Wirkung auf den Körper und kehren Sie dann zurück zum Hören und zur physischen Wahrnehmung des Klanges.

     Lassen Sie Ihre Energie vom Klang tragen; reiten Sie auf dem Klang; liefern Sie sich dem Klang aus.

     Klang ist eine Türe, ein "formloses Feld", ein Hintergrund der erlaubt, die Gefühls-Gedanken und den Körper im Vordergrund zu sehen und zu entdecken und der auch erlaubt, ein tieferes, wahreres Selbst zu erforschen.

     Der Verstand wird vor Angst rebellieren; achten Sie darauf; fühlen Sie, was dies mit Ihrem Körper tut, und welche Auswirkung auf Ihren Klang das hat (dies kann im Bruchteil von Sekunden oder länger erfahren werden. Typischer Weise fallen wir ständig in diese Erfahrung und aus ihr heraus, abhängig davon, welche Macht unsere Gedanken über uns haben).

     Spüren Sie beim Spielen, wie der Klang sich vom ganzen Körper erhebt, wie die Energie sich bündelt, fühlen Sie die Kraft im Bauch, wie sich das Zwerchfell ausdehnt und zusammenzieht, wie die Lungen sich leeren und füllen, wie der Hals sich öffnet, die Nebenhöhlen auf die Resonanz reagieren und fühlen Sie den Geschmack des Klanges im Mund; genießen Sie ihn im Mund, wie Sie einen teuren Wein genießen würden; fühlen sie die Schwingungen des Klanges in Ihren Fingern. Die Honkyokumusik auf der Shakuhachi oder langsame Stücke auf Blasinstrumenten sind hierbei besonders hilfreich weil hier eine Note nicht kurz angeschlagen wird, sondern ausgehalten und gedehnt wird: und viele Dinge können passieren oder auch nicht in diesem Zusammenhang und Raum, und immer ist hier Hören, Forschen, Denken....

Können Sie spielen, und dies so intensiv wie möglich tun? Wenn Gefühlsverwirrungen entstehen, können Sie trotzdem spielen? Wie verändert Ärger den Klang? Was ist der Unterschied zwischen einem ärgerlichen As und einem traurigen As oder einem aggresiven und einem leeren As? Wie verändert sich der Körper, wenn er all dies produziert. Wenn ich spiele während ich krank bin, was kann ich über meine Krankheit lernen durch meinen Klang? Wie verändert sich mein Empfinden bei der Klangerzeugung? Wenn ich spiele, während ich  enttäuscht oder müde bin, wo in meinem Körper kann ich die Enttäuschung oder Erschöpfung spüren? Kann ich zu den physischen Wahrnehmungen dieser Gefühle mit Hilfe meiner Flöte stehen? Kann ich mich wohler fühlen mit dieser Unbequemlichkeit in meinem Körper? Kann ich mich langsam mehr mit der ganzen Bandbreite meiner Gefühle in dem Sein als Mensch behaglich fühlen? Kann ich es einfach leben, es so sein lassen und alles in meinen Klang umsetzen und einfach all dies genießen? Genießen des menschlichen Seins? Langsam, mit der Zeit, gerade heute ein bißchen mehr? Jetzt? Kann ich?

Dann: was macht der Klang der Shakuhachi mit meinem Körper, mit meinem Verstand? Verändert er irgend etwas? Heilt er? Langsam, mit der Zeit, was geschieht? Der Klang, das Spielen ist ein Weg, lebendig zu sein; unsere Gedanken und  Gefühle zu ergründen, unsere falschen Selbste und unser wahres Selbst .... langsam erwachen..... langsam Annehmen .... mehr und mehr im Raum einen weiteren, totalen Klang .... Weltklang.

Klang als Türe .....

 

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